Code of Conduct – MIT DIR als gemeinsamer Raum

Für ein achtsames, diskriminierungssensibles und kollektives Miteinander.

Ein Festival entsteht nicht nur durch Musik, Orte und Programm, sondern vor allem durch die Menschen, die dort zusammenkommen. Damit MIT DIR für möglichst viele ein sicherer, respektvoller und freier Ort sein kann, braucht es eine gemeinsame Grundlage.

Unser Code of Conduct beschreibt, was uns wichtig sind, was wir voneinander erwarten und wie wir gemeinsam Verantwortung übernehmen können. Er ist Einladung, Orientierung und klare Haltung zugleich.

Bitte nehmt euch einen Moment Zeit, ihn (vor dem Festival) zu lesen. Für euch und für andere.

1. Wer wir sind

Das MIT DIR Festival wird vom gemeinnützigen Verein Unter einer Decke Kultur e.V. getragen und gemeinsam mit der MIT DIR Festival UG veranstaltet. Unsere Struktur ist kollektiv organisiert und setzt sich aus Ehrenamtlichen, Kollektiven, Angestellten, Helfer:innen und vielen Mitgestaltenden zusammen.

Ziel ist es, gemeinsam einen Raum für Begegnung, Kunst, Aktivismus, Freude und Reflexion zu schaffen – jenseits kommerzieller Verwertungslogiken. Wir wollen einen Ort bieten, an dem sich Menschen sicher, frei und gesehen fühlen – mit einem klaren politischen Anspruch: Solidarität, Awareness, Antidiskriminierung, Nachhaltigkeit und Verantwortung.

2. Unsere Werte

Vielfalt & Inklusion Wir setzen uns aktiv für ein Umfeld ein, in dem Menschen mit unterschiedlichen Identitäten, Erfahrungen und Hintergründen respektvoll und diskriminierungsfrei miteinander leben können. Dazu gehören FLINTA*-Personen, BIPoC, queere Menschen, Menschen mit Behinderung(en), neurodivergente Menschen, Menschen mit Klassismus Erfahrungen und viele mehr.

Fürsorge & Solidarität – „Care“ ist kein Extra, sondern Teil unseres Fundaments. Wir schaffen Strukturen, in denen gegenseitige Unterstützung, Verantwortungsübernahme und solidarisches Handeln gelebt werden – in Crewstrukturen, Awarenessarbeit, Entscheidungsprozessen und Krisensituationen.

Kollektive Verantwortung & Reflexion – Wir reflektieren unsere Machtverhältnisse, Privilegien und Fehler. Verantwortung heißt für uns nicht nur, eigenes Verhalten zu hinterfragen, sondern auch Räume zu schaffen, in denen Kritik, Veränderung und Lernen möglich sind.

Null Toleranz für Diskriminierung – Wir dulden keine Form von Sexismus, Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Transfeindlichkeit, Ableismus, Klassismus oder andere Diskriminierungsformen.

Betroffene haben Deutungshoheit. Täter:innen sind aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen – individuell wie strukturell.

3. Miteinander handeln – Erwartungen an alle

Kommunikation & Feedback

  • Wir kommunizieren ehrlich, wertschätzend und möglichst gewaltfrei.

  • Kritik ist willkommen – solange sie solidarisch und lösungsorientiert formuliert wird.

  • Fehler passieren. Wichtig ist, wie wir damit umgehen: offen, nicht defensiv, lernbereit.

Konflikte & Kritik

  • Konflikte sind Teil von Gemeinschaft – wir nehmen sie ernst und arbeiten konstruktiv daran.

  • Es gibt strukturierte Räume und Prozesse für Kritik, Vermittlung und Klärung.

Grenzen & Konsens

  • Konsens ist Grundlage aller körperlichen und emotionalen Interaktionen.

  • Flirten, Berühren, Nähe – nur mit Zustimmung und im Bewusstsein kontextueller Machtverhältnisse.

  • Ein „Nein“ ist immer zu respektieren – ohne Diskussion.

4. Awareness, Schutz & Verantwortungsstrukturen

Awareness-Team & Crew Care

Wir arbeiten mit einer machtsensiblen, parteilichen Awareness-Struktur.

  • Ansprechbar für Betroffene von Grenzverletzungen, Diskriminierung, Übergriffen

  • Begleitung in emotionalen Ausnahmesituationen

  • Vermittlung in Konflikten, Schutzmaßnahmen, Dokumentation

Crew Care ist für interne Team-Belange da – speziell für Unterstützungsbedarfe aus der Orga-, Helfi- oder Kollektivstruktur.

Umgang mit Übergriffen

  • Betroffene entscheiden, was eine Grenzverletzung ist.

  • Es gibt keine „Neutralität“ bei Gewalt.

  • Sanktionen (z. B. Gesprächsverweigerung, Platzverweis) können notwendig sein – werden kollektiv abgestimmt.

  • Langfristige Prozesse (z. B. Täter:innenarbeit, Ausschluss) orientieren sich am ACAG-Ansatz (Antisexist Contact & Awareness Group) und anderen queer-feministischen Standards.

5. Nachhaltigkeit, Konsum & Verantwortung

Ökologische Nachhaltigkeit

  • Zero Waste: Ressourcen sparen, wiederverwenden, vermeiden

  • Keine Spuren hinterlassen (Leave No Trace)

  • Materialwahl, Stromnutzung, Transport – bewusst und sparsam

Konsumverhalten

  • Konsumfreie Räume (Awareness, Crewstrukturen etc.) sind verbindlich

  • Kein Gruppenzwang oder Erwartungsdruck – Konsum ist freiwillig

  • Eigenverantwortung heißt: Keine Gefährdung anderer, keine Übergriffigkeit unter Substanzeinfluss

6. Was du konkret tun kannst

  • Schau nicht weg – wenn du Übergriffe beobachtest oder Grenzen verletzt siehst

  • Frag nach, ob Hilfe gebraucht wird

  • Sei kritisch mit dir selbst, reflektiere dein Verhalten regelmäßig

  • Gib Raum, statt zu erklären – insbesondere bei Betroffenheit

  • Teile Verantwortung, ohne dich überall einmischen zu müssen

7. Zum Schluss

Awareness ist kein Zustand – sondern ein Prozess. Dieser Code of Conduct ist nicht vollständig, sondern ein Werkzeug zur gemeinsamen Orientierung.

Wir wollen Räume schaffen, in denen Fehler passieren dürfen – aber nicht auf Kosten marginalisierter Personen.

Wir wollen voneinander lernen – mit Verantwortung, Haltung und Solidarität.

Danke, dass du diesen Raum mit uns teilst und mitträgst.

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